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Margins Out/Incorporated

... Du bist Student_in und hast trotzdem was zu sagen? Oder zu denken? Oder zu re-präsentieren? Und wieso überhaupt trotzdem?

Die interdisziplinäre studentische Initiative MARGINS OUT/INcorporated besteht aus drei Studierenden des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin: Kristin Flade (BA Theaterwissenschaft und Filmwissenschaft), Sascha Förster (BA Theaterwissenschaft und Publizistik/ Kommunikationswissenschaft) und Rafael Ugarte Chacón (Magister Theaterwissenschaft und AVL). Es geht der studentischen Initiative explizit um die Erprobung wissenschaftlicher Präsentationsformen, den Abbau von Hemmschwellen der Student_innen des Fachbereichs und einen regen Austausch unter dem Thema Randgruppenphänomene, marginalisierte Gruppen und Wahrnehmung. Wir wünschen uns Beiträge, welche Student_innen ermutigen, dem Wissenschaftsbetrieb mit einem reflektierten Blick auf Strukturen der Marginalisierung und Machtausübung an der Universität entgegenzutreten, eine Gleichstellung für möglich zu halten und sich dafür tolerant und politisch verantwortungsbewusst einzusetzen.

 

Konzeptionelle Erläuterungen
Für unsere Überlegung ist folgende Konstellation zu bedenken: Student_innen stellen die absolute, zahlenmäßige Mehrheit in der Universität. Die Stimmen dieser Mehrheit finden jedoch unserer Meinung nach nur leidlich Gehör oder nur selten den Weg in eine Repräsentation. Oft bekommt man den Eindruck, dass es mehr darum geht, Ergebnisse abliefern zu müssen als darum, eine ‚öffentliche Wirksamkeit’ zu erhalten. Warum muss das so sein? Ist es vielleicht auch gar nicht so?
Dass eine ‚marginalisierte’ Gruppe nicht spricht oder erst ‚sprechen lernen muss’, sei es aus eigener (De-)Motivation oder aufgrund von ‚Verboten’, ist ein weit verbreitetes Phänomen, welches in der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Betrachtung mannigfaltigen Niederschlag gefunden hat und findet. Man kann hier an Forschungen in den Bereichen Gender und Diversity, Postkolonialistische Theorie oder Queer Theory denken.
Wir möchten versuchen, studentische Präsentationen unter dem Motto von ‚Queering Science’ zu sammeln. Dabei soll es nicht nur um die explizite Behandlung queerer Fragestellungen in Bezug auf Gender und Diversity gehen. ‚Queering’ soll darüber hinaus als Arbeitshypothese fungieren, die scheinbar feste Grenzziehungen in Frage stellt, Denkräume besetzt und vielleicht die Normativitäten des Wissenschaftsbetriebes zwar mimt (und mimen ‚muss’ – wir befinden uns in einem Wissenschaftsbetrieb), aber durch das Sprechen und Denken von Student_innen eine ‚queere’ Simulation kreiert, die neue Blicke schafft.

Die grundsätzliche Zielsetzung der interdisziplinären Initiative ist es, studentischen Gedanken und Präsentationen Raum zu geben, einer Öffentlichkeit vorzustellen, um damit das in einem Spielraum zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Auseinandersetzung angesiedelte Präsentieren und Diskutieren zu üben. Hemmschwellen, sich zu wissenschaftlichen Themen zu äußern und sich zu präsentieren, sollen durch den ‚geschützten’ Rahmen abgebaut werden. Zudem soll die schriftliche und/oder audio/visuelle Dokumentation und Sammlung der Beiträge Anreiz zur weiteren Beschäftigung bieten.
Wir möchten aus dem bisher und folgend beschriebenen Ansatz eine fortlaufende Reihe entwickeln, die sich im zunächst jährlichen Turnus zum Ziel setzt, Raum und Öffentlichkeit für studentisches Denken und Präsentieren im Diskurs der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften zu schaffen und auszubauen.

 

Thematische Erläuterungen
Für die im Januar 2008 geplante Konferenz möchten wir den Titel Studentische Plattform I - MARGINS OUT/INcorporated wählen. Dies impliziert zunächst, dass es sich um eine Veranstaltungsreihe handeln soll und gibt erste Rückschlussmöglichkeiten auf das Themengebiet. Im Jahr 2008 soll sich die Veranstaltung Randgruppenphänomenen, marginalisierten Gruppen und Wahrnehmung widmen.
Wir möchten das Verhältnis der ‚marginalisierten Studentenschaft’ und den ‚Normativitäten des Wissenschaftsbetriebes’ mittels der studentischen Präsentationen ausloten. Das heißt, unser Ansatz zielt nicht nur auf die Formulierung und Erarbeitung eines ‚konkreten Konferenzthemas’, sondern auch und vor allem auf die Darstellung der Variabilität studentischer, politisch verantwortungsvoller Blicke auf den Wissenschaftsbetrieb als solchen.
Randgruppenphänomene, marginalisierte Gruppen und Wahrnehmung bieten einen thematisch großen Spielraum, der gewährleisten soll, dass ein studentischer Austausch darüber auf inhaltlicher Ebene auch für ‚fachfremde’ Teilnehmer_innen möglich ist. Die inhaltliche Herangehensweise an die eigene Präsentation kann eine politische, eine geistes-, kultur- oder sozialwissenschaftliche sein, eine künstlerische oder wissenschaftliche. Starre Grenzen scheinen uns hierbei hinderlich und wir wünschen uns ein Ausprobieren und Ausloten der eigenen ‚Wissenschaftlichkeit’. Ein Präsentieren, das die eigene Positionierung in den Blick nimmt, einen metareflexiven Blick auf die Wissenschaft wirft und (neue) Frei- und Denkräume entwickelt und Strukturen entwirft, ist für unsere Konzeption wünschenswerte Zielstellung und Anregung für die Entwicklung der Beiträge der Student_innen.

Die formale und inhaltliche Freiheit der Beiträge soll sich auch in der Struktur der Veranstaltung selbst widerspiegeln. Somit wünschen wir uns zwei Tage mit viel Raum für regen Gedankenaustausch, Diskussionen und weiterreichende konzeptionelle Ideen. Die Präsentationen können von ‚einfachen’ Vorträgen hin zu Performance Lectures, Installationen, Filmbeiträgen, Workshops und Ähnlichem reichen und damit auch die Form der ‚Konferenz’ als wissenschaftliche Praxis in Blick nehmen und unter Umständen in Frage stellen. Es soll viel Raum für freie Diskussionen, Kreativität und Gedankenspiele bleiben. Aus diesem Grund ist die Dauer der einzelnen Präsentationen zwar nicht zeitlich vorgeschrieben, aber im Vorfeld abzustimmen und von den Teilnehmer_innen bestmöglich einzuhalten.

Die Präsentationen und Vorträge der beiden Tagungen "Randgruppenphänomene und deren Wahrnehmung" und "Paradiesische Zustände" werden im Frühjahr 2010 im Kleine Verlag publiziert.

 

 

Gefördert mit Mitteln der Frauenbeauftragten am Fachbereich Philosophie und Geistenswissenschaften der Freien Universität Berlin