
... Kristin Flade
*1983 in Meißen
06.2002 Abitur, Geschwister Scholl Gymnasium, Nossen
10.2002-11.2003 Studium Rechtswissenschaft TU Dresden
11.2003-02.2004 TiF, Staatsschauspiel Dresden, Regieassistenz
02.2004-05.2004 Seriously Groovy Ltd., London, Praktikum
06.2004-10.2004 Dresdner Kulturmagazin, Dresden, Praktikum und freie Mitarbeit
11.2004-09.2005 Staatsschauspiel Dresden, Regieassistenz
seit 10.2005 Bachelorstudium Theater- und Filmwissenschaft, Freie Universität Berlin
08.2007-09.2007 Zeughauskino, Deutsches Historisches Museum Berlin, Praktikum
10.2008 Bachelorarbeit zum Thema "virtual self_s. Inszenierung und Wahrnehmung von Identitäten im virtuellen Raum"
seit 10.2008 Masterstudium Theaterwissenschaft, Freie Universität Berlin
seit 12.2008 Forum Expanded, Berlinale Internationale Filmfestspiele Berlin, Praktikum
Interessen Musik, Sprache und verbale Machtstrukturen, Ambiguität und Ambivalenz, Transitzustände und -räume, Foto, Film und Video

... thematischer Essay über die "Wahrnehmung von Randgruppenphänomenen"
Zeit als Marginalie
Das für mich größte und problematischste Spannungsfeld stellt das zwischen alles konsumierender Obsession und lethargischer Langeweile dar. Dieses Spannungsfeld bin ich selbst. Mein privates Umspannwerk entscheidet, wer oder was für wie lange und in welcher Stärke Energie bekommt. Dieses Umspannwerk meines Kopfes geht dabei relativ geschickt vor. Es sondiert nach: Relevanz, Effizienz, Befriedigungsfaktor, Ruhmfaktor und Sozialfaktor. Bestimmt sind jetzt einige Aspekte nicht benannt, aber wenn ich alle wüsste, dann könnte ich mich dieser Energieverteilung widersetzen und endlich mal entspannen. Ich könnte Urlaub machen auf Kamtschatka oder die Highlands durchwandern.
Als vor ein paar Monaten der Gedanke aufkam, eine studentische Plattform durchzuführen, ist ein großer Energieteil in den Bereich ‚Obsession Margins’ abgewandert. Ich habe damit vernachlässigt: ‚Universität’, ‚Notwendige soziale Kontakte – 5’, ‚Notwendige Sensibilität – 3’. Extrem eingeschränkt: ‚Musik machen’, ‚Lesen’, ‚Spazierengehen’.
Aber wenn es um etwas geht, von dem ich angetan bin – und dieses Gefühl des von etwas angetan sein ist notwendige Lebenskomponente für mich –, dann ist es tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis ich – zumindest für eine Weile – meine komplette Energie anzapfe und in dieses Projekt fließen lasse. Es ist vollkommen hirnrissig. Aber da sind auch Notstromaggregate, die den Normalbetrieb aufrechterhalten.
Die Marginalie in mir – das Nichtstun. Die Zeit einfach so vergehen lassen.
Vor ein paar Tagen habe ich eine ganze eisigkalte Septembernacht ein sehr ehrliches Gespräch mit einem sehr ehrlichen Menschen geführt. Im Laufe dessen musste ich mir eingestehen, dass, wer oder was auch immer diesen Mechanismus in mir irgendwann zum Automatismus hat werden lassen, insofern ganze Arbeit geleistet hat, als dass ich, ganz die Kolonialmacht, einfach rode und niederbrenne, was an Ressourcen in mir ist.
Die Zeit kann nicht verbrennen, aber das, was Zeit hätte sein können, wird nie Welt gesehen haben.

Gefördert mit Mitteln der Frauenbeauftragten am Fachbereich Philosophie und Geistenswissenschaften der Freien Universität Berlin |