Kristin Flade

Sascha Förster

Rafael Ugarte Chacón

 

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... Sascha Förster

*03.06.1986, Halle/Saale
06.2004 Abitur, Kyffhäuser-Gymnasium Bad Frankenhausen
09.2004-05.2005 DRK-Manniske-Krankenhaus Bad Frankenhausen, Zivildienst, stationäre Pflege

seit 03.2005 Mitglied der freien Theater- und Performancegruppe Dramazone, Bad Frankenhausen
10.2005 - 09.2008 Studium Bachelor of Arts in den Fächern Theater- und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Freie Universität Berlin

seit 10.2008 Studium Master of Arts im Fach Theaterwissenschaft
(seit 11.2006 studentische Hilfskraft am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin am Lehrstuhl Prof. Dr. Fischer-Lichte, Tätigkeitsfeld Theaterhistorische Sammlungen unter der Leitung von Dr. Dagmar Walach)
02.2007 Performance "Menschliche Anker", die lizenz

04.2007 Performance Lecture "Kunst als Arbeit [entspricht] Projektarbeit?", ProudSingleProject

 

 

... thematischer Essay über die "Wahrnehmung von Randgruppenphänomenen"

 

Nach dem Try-Out zur Performance „Proklamation der Heimata“ der Theatergruppe Dramazone, deren Mitglied ich bin, wurde kritisiert, dass unsere Selbst-Entblößung peinlich berührend sei. Der sich öffnende und unmittelbare Performer-Körper – grenzt er sich im Intimwerden mit einer Gemeinschaft eigentlich von dieser aus? Marginalisieren einige Zuschauer somit das persönliche Anliegen des Akteurs auf der Bühne, weil sie selbst damit berührt werden? Kann das Ausschließen bestimmter Menschen aus einer Gruppe heraus damit zusammenhängen, dass sie unserem Lebenskreis zu nahe kommen, dass wir sie nicht an uns heranlassen wollen? Marginalisieren wir die Angreifbarkeit des eigenen Ichs?


In der Hinwendung an Randgruppenphänomene als Mittelpunkt unserer ersten studentischen Plattform kann das Theater als Ort sozialer Praktiken analysiert werden. Durch die Trennung von Publikum-Gruppe und Akteur-Gruppe grenzen sich immer zwei Gruppen voneinander ab. Dennoch wissen wir, dass im Laufe einer Aufführung eine, oft sogar liminale, Gemeinschaft entsteht. Ist dann an diesem besonderen Ort niemand ausgeschlossen, keine Meinung marginalisiert? Kann Theater die Utopie der „reinen“ Gemeinschaft sein, der Ort ohne Randgruppe?

 

Wohl kaum.

 

Meiner Meinung nach geht es gar nicht ohne Randgruppen.

 

Wobei sich ja auch die Frage stellt, was dann das Andere ist? Die Zentralgruppe? Aber wovon hängt diese denn bitte ab? Die Randgruppe hängt doch immer von einer spezifischen Definition ab. Und sind unter solch einer spezifischen Definition dann die Leute Randgruppe, die mit ihrer besonderen Meinung die Minderzahl darstellen? Gibt es in dieser Randgruppe aber nicht auch wieder Randgruppen? Da kommt mir doch wirklich die Frage:

 

Gibt es einen Menschen, der keiner Randgruppe angehört?

 

Wohl kaum.

 

Neben einer Fremddefinition hängen Randgruppen immer auch von ihrer Selbst-Definition ab. Garantiert eine Randgruppe möglicherweise mehr Sicherheit, als die benannte Zentralgruppe? Sind Randgruppen eine Flucht aus der Anonymität und Einsamkeit? Sind Angehörige von Randgruppen nicht immer spezifisch miteinander verbunden? Sind Randgruppen möglicherweise wichtig für das Funktionieren und Zusammenleben in der „großen weiten“ Welt?

 

Es zeigt sich: Für mich besteht die Hinwendung an Randgruppenphänomene zuerst aus einer Vielzahl von Fragen. Unsere Plattform kann diese Fragen stellen, ihnen nachgehen, wiederum neue stellen – aber sie sollte meiner Meinung nach keine Antworten finden. Möglicherweise Antwortfragmente, aber als Plattform sollte die Chance gegeben werden, vieldeutig zu werden, Definitionen einzureißen und diverse neue zu konstruieren.

 

Möchte ich zu einer Zentralgruppe gehören?

 

Wohl kaum.

 

 

Gefördert mit Mitteln der Frauenbeauftragten am Fachbereich Philosophie und Geistenswissenschaften der Freien Universität Berlin